FAQ

1. Warum gibt es den Fair Finance Guide Deutschland?

Häufig werden Geldanlagen getätigt, um kurzfristige Gewinne zu erzielen. Leider gehen diese Gewinne viel zu oft auf Kosten von Mensch und Umwelt, wenn soziale und ökologische Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt werden. Der Fair Finance Guide Deutschland dient als Orientierungshilfe für Verbraucher, um Informationen darüber zu erhalten, ob und wie deutsche Banken das Thema Nachhaltigkeit bei ihren Geschäftsentscheidungen berücksichtigen. Gleichzeitig sollen Banken dazu angeregt werden, ihrer Verantwortung für eine weltweit nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden und Menschenrechte und Umweltschutz nicht Profitinteressen unterzuordnen.

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2. Wie kommen die Bewertungen zustande?

Der Fair Finance Guide Deutschland beurteilt Richtlinien, die Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen (Unternehmenskredite und Projektfinanzierungen), bei ihren eigenen Investitionen (Eigenanlagen) und ihrer Vermögensverwaltung (bspw. Auflage von Fonds) anlegen. Dafür konzentrieren wir uns auf 13 Themenbereiche, welche unter anderem übergeordnete Themen wie Menschenrechte, sensible Sektoren wie Rüstung und Aspekte der verantwortungsbewussten Unternehmensführung beleuchten. In jedem dieser Bereiche gibt es eine Vielzahl an Anforderungen, welche die Banken in ihren Richtlinien berücksichtigen müssen und welche wiederum auf internationalen Normen und Standards wie beispielsweise der UN Menschenrechtscharta oder den ILO Kernarbeitsnormen basieren. Dafür haben wir für jede der Banken öffentlich zugängliche Dokumente wie Jahres- und Nachhaltigkeitsberichte sowie Presseerklärungen ausgewertet. Hier gibt es mehr Informationen zur Methodik. Die durchgeführten Fallstudien (siehe Praxis-Check) führen nicht zu einer Abwertung der Banken, auch wenn Finanzbeziehungen zu kontroversen Unternehmen festgestellt werden, die gegen die Selbstverpflichtungen der Banken verstoßen. Stattdessen verdeutlichen diese die Diskrepanz zwischen kommunizierter Verantwortung und gelebter Praxis in der Bankenwelt.

 

3. Welche Banken vergleichen wir?

Der Fair Finance Guide Deutschland vergleicht die auf dem deutschen Markt führenden Banken sowie Spezialinstitute und bildet somit einen breiten Querschnitt der deutschen Bankenlandschaft ab: kommerzielle Banken (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank), Landesbanken/Sparkassen (LBBW), Genossenschaftsbanken (DZ Bank), Kirchenbanken (Pax-Bank und KD-Bank) und Alternativbanken (Triodos und GLS Bank). Zwei dieser Banken werden auch in anderen Fair Finance Guide Ländern bewertet: die Triodos Bank in den Niederlanden (Eerlijke BankWijzer) und Belgien (Scan des Banques / Bankwijzer) und die Deutsche Bank in Belgien (Scan des Banques / Bankwijzer). Die Bewertung dieser Banken erfolgt daher in enger Abstimmung mit den Kollegen, unter Nutzung der gleichen Methodik (ab 2016). 

 

4. Warum ist meine Bank nicht dabei?

Um ein möglichst breites Spektrum der deutschen Bankenlandschaft abzubilden und möglichst viele BankkundInnen anzusprechen, haben wir eine Auswahl privater Geschäftsbanken, genossenschaftlicher bzw. öffentlich-rechtlicher Institute sowie kirchlicher Banken und Nachhaltigkeitsbanken getroffen. Da wir jede Bank auf die Einhaltung von insgesamt 250 sozialen und ökologischen Kriterien überprüfen, begleitet von einem intensiven Dialog mit der Bank, können wir leider keine Aussage machen, wie andere Banken in unserem Ranking abschneiden würden. In Zukunft werden weitere Banken dazukommen, wir setzen jedoch auf eine allmähliche Erweiterung um den konstruktiven Dialog mit den Banken nicht zu vernachlässigen. Wenn Sie daran Interesse haben, wie Ihre Bank mit Ihrem Geld umgeht, können Sie diese auch direkt fragen, ob soziale und ökologische Kriterien bei Finanzierungs- und Anlageentscheidungen Anwendung finden. Nur so können Banken dafür sensibilisiert werden.

Übrigens:

Die Volks- und Raiffeisenbanken können über ihr Spitzeninstitut, die DZ Bank, einen Liquiditätsausgleich vornehmen oder Fondsprodukte beziehen. Sie sind dabei aber nicht an dieses Angebot der genossenschaftlichen Zentralbank gebunden. Die DZ Bank selbst ist nicht im Privatkundengeschäft aktiv. 

Die ING Bank, zu der die ING-DiBa gehört, wurde durch unsere Partner in den Niederlanden und Belgien bewertet.

Die Crédit Mutuel, zu der die Targobank gehört, wurde durch unsere Partner in Frankreich bewertet.

Die BNP Paribas, zu der sowohl die DAB Bank als auch die Consorsbank gehören, wurde durch unsere Partner in Frankreich und Belgien bewertet.

 

5. Warum werden die Banken nur in diesen Themenfeldern verglichen?

Der Fair Finance Guide Deutschland hat das Ziel, Banken in besonders wichtigen Bereichen sozialer und ökologischer Verantwortung miteinander zu vergleichen. Dabei soll es nicht grundsätzlich als negativ bewertet werden, wenn Banken in sensiblen Sektoren wie beispielsweise Rüstung aktiv sind. Stattdessen sollen Rahmenbedingungen für verantwortungsvolle Finanzierungen und Investitionen in diesen Sektoren und sektorübergreifenden Themen gesetzt werden. Banken können dabei helfen, soziale und ökologische Probleme durch eine Verbesserung ihrer Anlage- und Finanzierungsgrundsätze zu lösen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass sie das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung auf allen Ebenen anwenden, das heißt vom klassischen Kreditgeschäft (mit Unternehmen), über die Anlage des eigenen überschüssigen Kapitals, bis hin zur Vermögensverwaltung. 

 

6. Was bedeutet es, wenn eine Bank "nicht aktiv" in einem Sektor ist?  

Wenn eine Bank aufgrund ihrer Geschäftsausrichtung Unternehmen eines bestimmten Sektors nicht finanziert oder in diese investiert, wird für diesen Sektor keine Bewertung erstellt. Dies muss jedoch deutlich aus den Informationen der Bank hervorgehen, bspw. über eine Portfolioaufstellung der verschiedenen Sektoren. Weiterhin ist es möglich, "nicht aktiv" für einen Sektor zu erhalten, wenn die Bank explizit den ganzen Sektor von Finanzierungen und Investitionen ausschließt und dementsprechend auch keine Richtlinien über die sozialen und ökologischen Verpflichtungen der Unternehmen in diesem Sektor formuliert hat. Somit sollen alternative Geschäftsmodelle bspw. von kirchlichen und sozial-ökologisch orientierten Banken besser berücksichtigt werden, damit nicht Richtlinien für einen Sektor formuliert werden müssen in dem die Bank ohnehin nicht aktiv ist. Sobald Banken jedoch explizite und detaillierte Finanzierungs- und Investitionskriterien für Unternehmen eines bestimmten Sektors formulieren, werden diese durch den Fair Finance Guide bewertet.

 

7. Was bedeutet es, wenn eine Bank 100% in der Bewertung erreicht?  

Wenn eine Bank 100% in einem Thema oder Sektor erhält, bedeutet dies, dass sie die derzeitigen Bewertungskriterien des Fair Finance Guide vollauf erfüllt. Jedes Jahr wird die internationale Methodik des Fair Finance Guide gemeinsam durch alle beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen überarbeitet, um aktuelle Entwicklungen zu Natur- und Klimaschutz, Menschen- und Arbeitsrechten und verantwortungsvoller Unternehmensführung zu berücksichtigen. Dies betrifft beispielsweise die Erneuerung und Verschärfung von Klimaschutzabkommen sowie die Integration von Industrieinitiativen zur nachhaltigen Entwicklung. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass der Fair Finance Guide auch von den Banken eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer sozialen und ökologischen Richtlinien erwartet, um mit aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten. 

 

8. Wer steht hinter dem Fair Finance Guide Deutschland?

Der Fair Finance Guide Deutschland ist Teil der Initiative Fair Finance Guide International, welche derzeit in sieben weiteren Ländern weltweit aktiv ist. In Deutschland ist der Fair Finance Guide eine Kooperation von Facing Finance mit Rank a Brand und Südwind. Da der Fair Finance Guide Deutschland von der schwedischen Entwicklungsbehörde Sida finanziert wird, sind die Bewertungen absolut unabhängig. 

 

9. An wen kann ich mich für ein Interview über den Fair Finance Guide Deutschland wenden?

Bitte wenden Sie sich für ein Interview an:

Thomas Küchenmeister - Geschäftsführender Vorstand Facing Finance e.V.

kuechenmeister@facing-finance.org

Sarah Guhr – Projektleiterin für den Fair Finance Guide

sarah.guhr@facing-finance.org

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