Fair Finance Guide Deutschland 2025: Deutsche Banken weiterhin deutlich vom 1,5-Grad-Ziel entfernt

16 Dezember 2025

Berlin, (16.12.2025) - Die Berliner NGO Facing Finance hat heute das Update 2025 des “Fair Finance Guide Deutschland (FFG)” zur Nachhaltigkeitsleistung deutscher Banken veröffentlicht.  Die Analyse zeigt: Trotz einzelner Anpassungen bleiben grundlegende Fortschritte aus. Deutsche Banken sind weiterhin weit davon entfernt ihre Finanzierungs- und Investitionspraktiken mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens in Einklang zu bringen. 

Für das Update bewertete der “Fair Finance Guide” die aktuellen Finanzierungs- und Investitionsrichtlinien von 17 Banken anhand von 14 Themenfeldern und 226 detaillierten Kriterien. Grundlage ist eine im März 2025 überarbeitete Methodik, die insbesondere Klimaschutz, fossile Energien, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, Biodiversität, Transparenz sowie Waffenfinanzierung stärker gewichtet. 

 

Kein grundlegender Kurswechsel erkennbar 

Vor dem Hintergrund weltweit steigenden Drucks auf Nachhaltigkeitsziele, stagnieren auch die Nachhaltigkeitsleistungen der analysierten deutschen Banken Weder sind nennenswerte Verbesserungen noch gravierende Rückschritte bei den untersuchten Banken festzustellen. Ein grundlegender Kurswechsel hin zu glaubwürdiger Nachhaltigkeit und Transformation bleibt aus. 

 

Einerseits haben die meisten Banken Emissionsreduktionsziele für einzelne, besonders emissionsintensive Sektoren in ihren Kreditportfolios definiert. Andererseits verfolgt keine der untersuchten Banken durchgängig 1,5-Grad-kompatible Ziele für alle Sektoren – weder in der Finanzierung noch in den Anlageportfolios. 

 

Rückschritte bei Waffenfinanzierung 

Besorgniserregend sind zudem Rückschritte im Bereich der Finanzierung der Rüstungsindustrie. Mehrere Institute, darunter Apobank, Sparkasse KölnBonn, Stadtsparkasse Düsseldorf und DWS, haben so zum Beispiel bestehende Einschränkungen im Asset Management gelockert. 

 

Fossile Expansion weiterhin möglich 

Auch bei fossilen Energien bleibt die Mehrheit der Banken hinter den Erfordernissen des Klimaschutzes zurück. So ist die Finanzierung neuer Öl- und Gasprojekte weiterhin vielfach erlaubt. Lediglich vier Institute – GLS Bank, EthikBank, KD-Bank und Tomorrow – schließen Öl- und Gasexploration sowie -förderung vollständig aus. Zwar haben einige große Banken wie Commerzbank, ING und LBBW projektbezogene Ausschlüsse für neue Upstream-Vorhaben eingeführt, andere Institute – darunter Deutsche Bank, DZ Bank, BayernLB, Deka und UniCredit – setzen weiterhin auf unzureichende oder bedingte Regelungen, die fossile Expansion ermöglichen. 

 

Uneinheitliche Kohlerichtlinien 

Auch beim Thema Kohle zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Nur fünf Finanzinstitute – GLS Bank, EthikBank, KD-Bank, Tomorrow und DZ Bank – schließen neue Kohlekraftwerke und -minen konsequent aus. Während einige Banken die Finanzierung neuer Kohleprojekte untersagen, fehlt es bei den meisten an umfassenden Ausstiegsregeln für bestehende Investitionen. Insbesondere viele öffentliche Banken erlauben weiterhin die Unterstützung von Unternehmen, die ihre Kohleaktivitäten ausweiten. 

 

Biodiversität bleibt blinder Fleck 

Der Schutz der Biodiversität ist weiterhin unzureichend verankert. Nur wenige Banken – darunter Tomorrow, GLS Bank, ING und KD-Bank – verfügen über substanzielle Richtlinien zu Plastikverschmutzung und biodiversitätsschädlicher Expansion. 

 

Hintergrund 

Der Fair Finance Guide Deutschland bewertet regelmäßig, inwieweit Banken durch ihre Richtlinien zu Finanzierung und Investitionen ökologische und soziale Verantwortung übernehmen.

 

Das vollständige Ranking ist hier verfügbar. 
Die detaillierten Bewertungen sind hier einsehbar. 

 

Pressekontakt: 

 
Frederike Potts 
f.potts@facing-finance.org 
030 32661680 

 

Der Fair Finance Guide ist ein Projekt von Facing Finance e.V. in Kooperation mit dem SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene.

Gefördert wird das Projekt von Misereor.