Rede und Antwort auf der Aktionärsversammlung 2026 des Kupferkonzerns Aurubis
sehr geehrter Aufsichtsrat,
sehr geehrtes Aktionariat,
Wie viel Prozent der künftigen Kupferimporte von Aurubis sollen perspektivisch durch die Lieferbeziehung mit Viscaria gedeckt werden? Und plant Aurubis, jetzt auch die Lieferbeziehungen mit Lieferanten außerhalb Europas offenzulegen?
Codelco, ein langjähriger Lieferant von Aurubis, exploriert gemeinsam mit Enami in Ecuador den möglichen Kupferabbau in einem sehr biodiversen Gebiet gegen massiven Widerstand der Lokalbevölkerung. Hat Aurubis mit Codelco oder ENAMI bereits Lieferverträge für eine mögliche neue Mine in Ecuador abgeschlossen oder Gespräche in diese Richtung geführt?
Gab es während der Amtszeit der Regierung Dina Boluarte in Peru Verlängerungen oder Neuabschlüsse von Bergbaukonzessionen, die Minen betreffen, aus denen Aurubis bereits Kupfererz bezogen hat oder künftig beziehen möchte?
Gold Fields Peru hat Aurubis jahrelang in seinen Geschäftsberichten als Hauptabnehmer benannt und dies im Jahr 2021 plötzlich eingestellt. In Peru wird vermutet, dass Aurubis Druck auf Gold Fields Peru ausgeübt hat, um nicht mehr als Abnehmer genannt zu werden.
Kann Aurubis diese Vermutung bestätigen oder klar zurückweisen?
Aurubis betont regelmäßig einen sogenannten „Stay and Improve“-Ansatz. Bei welchen konkreten Lieferanten wurde der „Stay and Improve“-Ansatz angewendet? Welche messbaren Verbesserungen wurden bei welchen Lieferanten erreicht? Und gab es auch Fälle, bei denen Aurubis Lieferbeziehungen aufgrund von Umwelt- oder Menschenrechtsverstößen beendet hat? Falls ja, bei welchen Lieferanten?
Was ist ganz konkret mit Lieferbeziehungen zu den Minen Toromocho (Junín), Antapaccay (Espinar), Constancia (Cusco), Yanacancha (Ancash) oder Grasberg (West-Papua)? Diese Minen sind aufgefallen durch hochgefährliche Konzentrationen von Arsen, Blei, Chrom und Quecksilber in Blut und Urin von Anwohnern, durch Polizeigewalt, Inhaftierung und Folter von Protestierenden auf Minengelände, durch stark erhöhte Krebsraten, Wassermangel, Korruption, fehlende Umweltprüfungen und Zwangsumsiedlungen.
Hat Aurubis bei einem dieser Lieferanten in den letzten Jahren nachweislich Verbesserungen erreicht? Oder hat Aurubis Lieferbeziehungen beendet aufgrund dieser Vorfälle?
Außerdem würde ich gerne abseits der Facing Finance Rede von Herrn Schiewe noch auf ein weiteres Thema eingehen:
Aurubis verweist im Geschäftsbericht darauf, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung an die neuen ESRS Anforderungen angepasst wurde. Gleichzeitig werden Menschenrechtsverstöße dort als „nicht wesentlich“ und Lieferkettenrisiken nur als „mittel“ eingestuft, während Rohstoffknappheit als „hohes“ Risiko geführt wird – und das obwohl bereits mehrere Beschwerden nach dem Lieferkettengesetz zu schweren Menschenrechts- und Umweltverstößen in der Lieferkette von Aurubis anhängig sind. Aus unserer Sicht ist das keine verantwortungsvolle Risikobewertung, sondern eine bewusste Bagatellisierung von Menschenrechtsgefahren zugunsten der Absicherung von Versorgung und Profit.
Die ESRS verlangen ausdrücklich eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Es geht nicht nur um finanzielle Risiken für das Unternehmen, sondern auch um die tatsächlichen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt. Dass dokumentierte Krebsfälle, Schwermetallbelastungen und Todesfälle in Abbaugebieten, die mit Lieferanten von Aurubis in Verbindung stehen, in dieser Analyse nicht als wesentliches Risiko auftauchen, während Versorgungsengpässe hoch priorisiert werden, offenbart eine gravierende Fehl-Priorisierung.
Wir erwarten, dass der Aufsichtsrat seiner Kontrollfunktion gerecht wird und dafür sorgt, dass der Vorstand diese Schieflage korrigiert: Wir brauchen eine vollständige, nach Risikoprofil geordnete Liste der wichtigen Lieferanten, detaillierte Risikobewertungen der einzelnen Hochrisikominen sowie verbindliche Sanierungspläne mit klaren Zeitplänen, Budgetangaben und Erfolgskontrolle. Alles andere wäre eine Fortsetzung des Verschweigens und Verharmlosens von Menschenrechtsverstößen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Weitere Infos:
Gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre haben wir Gegenanträge eingereicht, in denen wir fordern, Vorstand und Aufsichtsrat aufgrund anhaltender Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen nicht zu entlasten. Unsere Gegenanträge hier.
Gemeinsam mit Romero Initiative, Dachverband der Kritischen Aktionäre, Goliathwatch, Misereor und Kampagne Bergbau Peru haben wir eine Pressemitteilung zur Aurubis Hauptversammlung 2026 herausgegeben. Darin informieren wir unter anderem über drei Beschwerden gegen Aurubis wegen möglichen Verstößen gegen das Lieferkettengesetz im Zusammenhang mit Importen aus Panama, Mexiko, Peru. Das BAFA (zuständig für das Lieferkettengesetz) hat Ermittlungen dazu aufgenommen. Die Beschwerdeführerin der Mexiko-Beschwerde ist tragischerweise vor einem Jahr verstorben, vermutlich an den Folgen der Schwermetallverseuchung durch den Bergbaukonzern Grupo Mexico, ein Lieferant von Aurubis. Unsere Pressemitteilung hier.
Hier findest du unsere Recherche zu den peruanischen Minen, aus denen Aurubis Kupfererz bezieht, welche Menschenrechts- und Umweltverstöße dabei stattfinden und wie sich Aurubis gegen jedwede Transparenz wehrt.
Hier kannst du eine vorgefertigte Mail an deine Bank schicken, in der deine Bank aufgefordert wird, sich als Kreditgeberin bei Aurubis für mehr Transparenz einzusetzen.