Transition Finance Framework der Deutschen Bank: Greenwashing oder Game changer?

16 Januar 2026

Am 17.11.2025 hat Deutschlands größte Bank, die Deutsche Bank (DB), ein neues Transition Finance Framework veröffentlicht, das seit Anfang 2026 in Kraft ist. Damit folgt die DB einem breiteren Trend im Finanzsektor. Seit einigen Monaten legen viele Finanzinstitute ihren Fokus vermehrt auf Transition Finance, also die Finanzierung des Übergangs von Geschäftsmodellen mit hohem CO2-Ausstoß hin zu CO2-ärmeren Prozessen. Auf der einen Seite ist offensichtlich, dass die Umstellung CO2-intensiver Produktionsweisen große Investitionen benötigt und Transition Finance somit notwendig ist. Auf der anderen Seite wird Transition Finance immer wieder für Greenwashing missbraucht, indem Banken ihre Finanzierung von klimaschädlichen Unternehmen damit legitimieren, sie würden damit die Umstellung CO2-intensiver Prozesse finanzieren, während diese Umstellung in Wahrheit völlig ausbleibt.

Daher stellt sich die Frage, wie das neue Transition Finance Framework der DB im Detail aussieht. Hilft es bei der Bereitstellung von Finanzierungen für den Übergang weg von fossilen Geschäftsmodellen hin zu umweltfreundlichen Prozessen? Oder sollen damit lediglich die anhaltenden Finanzierungen der DB für klimaschädliche Unternehmen gerechtfertigt werden?

 

Unsere Einschätzung:

 

  • Das neue Transition Finance Framework komplementiert jetzt das schon länger bestehende Sustainable Finance Framework. Diese Unterscheidung macht durchaus Sinn und es braucht tatsächlich sowohl Sustainable Finance als auch Transition Finance. Daher begrüßen wir es, dass die DB sich intensiv mit Transition Finance auseinandersetzt und ihre Methodik und Kriterien zur Einstufung von Finanzierungen als Transition Finance transparent offenlegt.

 

  • Die DB hat sich jetzt das neue Ziel gesetzt, zwischen 2020 und 20230 insgesamt auf €900 Milliarden Sustainable and Transition Finance zu kommen. Vorher hatte sich die DB ein Ziel für reines Sustainable Finance gesetzt. Warum sich die DB jetzt lieber ein kombiniertes Ziel für Sustainable and Transition Finance setzt, ist nicht bekannt. Vielleicht weil dieses einfacher zu erreichen ist als ein reines Sustainable Finance Ziel. In den letzten 5 Jahren (01.01.2020 bis 31.12.2024) kam die DB auf €373 Milliarden Sustainable Finance. Wobei diese €373 Milliarden neben nachhaltigen Finanzierungen auch noch die ESG-Investments im Private Banking beinhalten. Wenn man ausschließlich nachhaltige Finanzierungen betrachtet, ist die Zahl niedriger.

 

  • Positiv ist, dass das Transition Finance Framework für den gesamten DB-Konzern gilt. Lediglich die DWS, der Vermögensverwalter der Deutschen Bank, ist davon ausgenommen.

 

  • Positiv ist auch, dass die DB schreibt, sie wolle auf just transition achten, unter Bezugnahme auf die Weltbank Just Transition Taxonomie. Soziale Aspekte der Transformation fallen leider zu oft unter den Tisch bei.

 

  • Kritisch ist hingegen, dass alle Co-Investments und Finanzierungen gemeinsam mit DFIs (z.B. Entwicklungsbanken) automatisch als Transition Finance eingestuft werden. Dabei finanzieren DFIs teilweise auch Projekte, die fossile Lock-Ins oder Menschenrechtsverletzungen mit sich bringen.

 

  • Die einzigen harten Ausschlüsse, die es bei der DB gibt, sind Tabak, neue Kohleminen und Kohlekraftwerke, Glücksspiel, Erwachsenenunterhaltung, Verstöße gegen den UN Global Compact und die OECD Guidelines für multinationale Unternehmen sowie geächtete Waffen. Wobei die DB scheinbar nur Biowaffen, Chemiewaffen, Streubomben und Landminen als geächtete Waffen ausschließt. Andere kontroverse Waffen wie Atombomben, Uranmunition, Napalm, Brandwaffen, LAWS etc werden hingegen nicht ausgeschlossen.

 

  • Das Transition Finance Framework teilt Transition Finance in drei Kategorien auf:
  • P1 Activity level: Zweckgebundene Finanzierungen für Aktivitäten die GHG Emissionen reduzieren
  • P2 Entity level: Allgemeine Unternehmensfinanzierungen für Firmen, die einen „glaubhaften Transitionsplan“ verfolgen
  • P3 Sustainability-linked solutions: Kredite oder Anleihen bei denen die Höhe der Zinszahlungen an emissionsbezogene Indikatoren gekoppelt ist

 

  • Unsere Einschätzung zu P1 Activity level: Wenn die finanzierten Aktivitäten wirklich zur Transformation beitragen, ist P1 sehr sinnvoll. Allerdings bleibt die DB etwas vage bei der Definition und schreibt lediglich, dass die Aktivitäten zu CO2-Reduktion beitragen und einen CO2 Lock-in Effekt vermeiden sollen. Das klingt erst mal gut, aber die Aktivitäten, die die DB als Transition Finance auflistet, würden teilweise nicht zu einer nachhaltigen Transformation beitragen und CO2 Lock-in Effekte mit sich bringen, die die DB doch eigentlich vermeiden will. So folgt die DB offenbar ganz stark der realitätsfernen Illusion, dass Erdgas Teil einer nachhaltigen Transformation sei. Aktivitäten, die die DB explizit als Transition Finance einstuft, die aber aus unserer Sicht nichts mit echter Transformation zu tun haben, sind u.a. die Finanzierung von
  • neuer Gasinfrastruktur zur Produktion von Stahl und Zement
  • neue Atomkraftwerke
  • neue Gaskraftwerke
  • neue Wasserstoffbetriebene Ölraffinerien (wobei es kein grüner Wasserstoff sein muss, sondern erdgasbasiert sein kann)
  • neue erdgasbetriebene Schiffe
  • bestehende Öl- und Gasfelder, die angeben, ihre Methanemissionen reduzieren zu wollen

 

  • Unsere Einschätzung zu P3 Sustainability-linked solutions: P3-Produkte geben die richtigen finanziellen Anreize, falls sie gut konzipiert sind. Hier kommt es auf die Details an, ob es sich um sinnvolle Instrumente handelt oder nicht. In der Vergangenheit gab es sowohl sehr sinnvolle und erfolgreiche Sustainability-Linked-Loans als auch immer wieder Fälle, in denen Sustainability-Linked Loans schlecht konzipiert und für Greenwashing verwendet wurden.

 

  • Unsere Einschätzung zu P2 Entity level: P2 sind allgemeine Unternehmensfinanzierungen, also Kredite oder Anleihen für Firmen mit hohen CO2-Emissionen, die für alles Mögliche verwendet werden können. Es gibt keinerlei Zweckbindung der Gelder oder Kopplung an Nachhaltigkeitsziele. Damit ist P2 prädestiniert für Greenwashing. Die DB nutzt verschiedene Kriterien anhand derer sie einen „glaubhaften Transitionsplan“ beurteilt. Damit ein Transitionsplan als glaubhaft gilt, soll eine Firma u.a. die eigenen CO2-Emissionen offenlegen, CO2-Reduktionsziele veröffentlichen, nicht emissionsintensiver sein als die Peer Group (andere Firmen des gleichen Sektors oder des gleichen Landes), und sagen, dass sie Net Zero anstrebt.

 

  • Dass diese Kriterien unzureichend sind, zeigt schon der Fakt, dass eines der Kriterien zur Einstufung, ob eine Firma einen glaubhaften Transitionsplan verfolgt, lautet: „Öl und Gas Expansion im Einklang mit IEA Net Zero Szenario“. Dabei ist eigentlich jegliche fossile Expansion unvereinbar mit Net Zero. Für die DB ist fossile Expansion aber offenbar vereinbar mit Transition Finance. Das bedeutet, dass ein Ölkonzern weiter in Öl und Gas expandieren und trotzdem eine allgemeine Unternehmensfinanzierung der DB erhalten kann (eingestuft als P2 Transition Finance) und dieses Geld für ein neues Öl/Gasprojekt verwenden kann, da es ja keinerlei Zweckbindung gibt. Aus unserer Sicht ist das kein Transition Finance, sondern eine Einladung für Greenwashing.

 

  • Die DB schreibt, dass jede allgemeine Unternehmensfinanzierung an eine Firma, die die P2-Kriterien erfüllt, automatisch als Transition Finance eingestuft wird. Und auch wenn diese Firma die P2-Kriterien beim nächsten jährlichen Review nicht mehr erfüllt (z.B. weil es bei der Firma letztlich keine Transformation und keine CO2-Reduktion gibt), dann gelten die bisher vergebenen Unternehmensfinanzierungen an diese Firma weiterhin als Transition Finance und werden nicht de-klassifiziert.

 

  • Immerhin schreibt die DB, dass P2-Finanzierungen derzeit nicht reingezählt werden sollen in das €900 Milliarden Sustainable and Transition Finance Ziel. Allerdings klingt es so, als könne das jederzeit geändert werden.

 

Unser Fazit:

Es ist positiv, dass die DB sich umfangreich mit Transition Finance auseinandersetzt, und ihre Kriterien zur Einstufung von Transition Finance offenlegt. Aus unserer Sicht sind die Kriterien, die die DB anwendet, aber nicht geeignet zur Einstufung als Transition Finance. Stattdessen wären die von der DB verwendeten Kriterien sehr gut geeignet, um allgemeine Unternehmensfinanzierungen an Firmen auszuschließen, die diese Kriterien nicht erfüllen. Firmen, die gegen die von der DB angewendeten Kriterien verstoßen, sollten überhaupt keine allgemeinen Unternehmensfinanzierungen erhalten, sondern höchstens zweckgebundene Finanzierungen. Finanzierungen, die die Kriterien erfüllen, sollten aus unserer Sicht nicht als Transition Finance eingestuft werden, sondern als Conventional Finance.