Was können Banken in der aktuellen Plastikkrise tun? 8 Empfehlungen
Unsere heute veröffentlichte Studie Plastikgeld zeigt, dass es den großen Banken in Deutschland an Maßnahmen, Strategien und Richtlinien gegen die Plastikkrise mangelt. Im direkten Dialog erkennen zwar viele Banken die Risiken von Plastik an. Aber nur eine der zwölf größten Banken in Deutschland zeigt eine öffentliche Anerkennung der Plastikkrise und öffentliche Unterstützung des UN-Plastikabkommens.
Keine der zwölf untersuchten Banken hat eine Plastikrichtlinie veröffentlicht mit klaren Mindestkriterien zur Finanzierung der Plastikindustrie. Sieben der untersuchten Banken haben in den letzten drei Jahren die weltweit größten Produzenten von Einwegplastik mit ca. 7 Milliarden € finanziert (Kredite und Underwriting).
Die Menschheit ertrinkt in Plastik. Um von einer linearen Wirtschaft mit fossil produziertem Einwegplastik hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu kommen, braucht es sowohl globale rechtlich-politische Maßnahmen als auch das freiwillige Engagement der plastikproduzierenden und plastiknutzenden Firmen und der Banken, die sie finanzieren. Leider haben die meisten Banken bislang lediglich Ziele zur Plastikvermeidung in ihren eigenen Büros, aber nicht für ihren tatsächlich entscheidenden Hebel: die Finanzierung plastikproduzierender und plastikintensiver Industrien.
Ein Grund, den mehrere Banken genannt haben für das Fehlen von Plastikrichtlinien, ist, dass Banken beim Thema Plastik noch hinterherhinken, da ihr Fokus bislang auf anderen Themen wie Kohle lag. Erst jetzt beginnen sie, sich mit Plastik auseinanderzusetzen und sind unsicher, wie sie dieses komplexe Thema angehen sollen. Daher haben wir auf Basis der Erkenntnisse der Plastikgeld-Studie acht Empfehlungen formuliert an Banken in der Plastikkrise:
1. Kunststoffe in die übergeordneten Klima- und Nachhaltigkeitsziele einbeziehen.
2. Die eigene Verantwortung bei der Lösung der Plastikkrise anerkennen, indem die Transformation von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft finanziert wird.
3. Plastikrichtlinien mit klaren Bedingungen für die Finanzierung von Unternehmen einführen. Zum Beispiel
A) Finanzierte Firmen legen ihren Plastik-Fußabdruck transparent offen, einschließlich des Anteils fossiler, neu hergestellter Kunststoffe im Vergleich zur insgesamt produzierten oder verwendeten Plastikmenge.
B) Finanzierte Plastikfirmen weiten ihre Produktionskapazitäten für neues aus fossilem Erdöl- und gas hergestelltes Plastik nicht aus.
C) Finanzierte Firmen legen konkrete und zeitlich gebundene Reduktionsziele für die Produktion und den Verbrauch von Plastik fest.
D) Finanzierte Plastikfirmen eliminieren giftige Chemikalien und schädliche Zusatzstoffe im Plastik.
4. Kreditverträge an spezifische soziale und ökologische Vorgaben knüpfen. Diese Vorgaben können den in der Plastikrichtlinie beschriebenen entsprechen.
5. Risiken und potenzielle negative Auswirkungen von Plastik in den Wertschöpfungsketten finanzierter Unternehmen analysieren (Due Diligence Analyse).
6. Unabhängige Informationsquellen nutzen und nicht nur ESG-Ratings, da diese relevante Informationen zu Plastik oft nicht enthalten.
7. Shareholder Engagement nutzen, um Unternehmen zum Handeln in der Plastikkrise zu bewegen. Dabei verwendet die Bank ihre Investorenrechte, um Einfluss auszuüben durch direkten Dialog, Abstimmungen und Reden auf Aktionärsversammlungen.
8. Öffentliche Unterstützung zeigen für politische Lösungen wie ein ambitioniertes und globales Plastikabkommen.