Commerzbank Hauptversammlung 2026: Fragen zu Rüstung und abgeschwächten Kohleregeln

21 Mai 2026

Am 20. Mai 2025 trafen sich die Aktionäre der Commerzbank zur Jahreshauptversammlung, um über das vergangene Geschäftsjahr und die künftige Ausrichtung der Bank zu diskutieren, insbesondere über eine mögliche Übernahme durch die italienische Großbank UniCredit. Auf der Hauptversammlung haben Aktionäre die Möglichkeit, Fragen an die Bank zu stellen und diese ist dazu verpflichtet, die Fragen zu beantworten. Dank dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre konnte der Fair Finance Guide auch einige Fragen zur Hauptversammlung beisteuern. Dieses Jahr haben wir Fragen gestellt zu Plastik, Rüstungsfinanzierung sowie der abgeschwächten Gas- und Kohlerichtlinien.

Frage: Seit gut einem Jahr gelten bei Projektfinanzierungen der Commerzbank die Equator Principles. Gab es in diesem Zeitraum Projekte, deren Finanzierung die Commerzbank überlegt hat, aber letztlich die Finanzierung abgelehnt hat, weil diese Projekte gegen die Umwelt- und Sozialstandards der Equator Principles verstoßen hätten? Falls ja, bei wie vielen Projekten genau und in welchen Ländern und Wirtschaftssektoren wären diese Projekte gewesen?

Antwort: Es gab seit dem Beitritt der Commerzbank zu den Equator Principles keine Projektfinanzierung, bei der die Firmen die Equator Principles nicht akzeptiert haben.

Frage: Vor einigen Wochen hat die Commerzbank erstmals öffentlich Position bezogen zum Thema Tiefseebergbau. Das begrüßen wir, denn damit schafft die Commerzbank Transparenz gegenüber ihren Firmenkunden und anderen Stakeholdern. Plant die Commerzbank in einem weiteren Schritt, das WWF Business Statement für ein Moratorium von Tiefseebergbau zu unterzeichnen?

Antwort: Die Commerzbank finanziert keine Tiefseebergbauprojekte. [Das wussten wir bereits und haben es explizit gelobt. Unsere Frage zum WWF Business Statement für ein Moratorium von Tiefseebergbau wurde ignoriert.]

Frage: Laut ESG-Rahmenwerk der Commerzbank gibt es für petrochemische Projekte und Firmen eine differenzierte Einzelfallentscheidung. Welche Kriterien werden in dieser Einzelfallprüfung konkret betrachtet? Zu Gesundheit, Verschmutzung, Biodiversität, CO2-Emissionen, Kreislaufmodelle? Plant die Commerzbank, die Kriterien, die bei dieser Einzelfallprüfung angewendet werden, künftig offenzulegen?

Antwort: Grundsätzlich relevant für die Einzelfallprüfug ist, dass petrochemische Firmen häufig im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung identifiziert werden, insbesondere der Verunreinigung von Gewässern und Grundwasser. Zudem wird geachtet auf die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen und gesundheitliche Beeinträchtigungen der Beschäftigten. Die Kriterien der Einzelfallprüfung werden kontinuierlich überprüft. Eine Veröffentlichung ist derzeit nicht vorgesehen.

Frage: Gibt es aktuelle Engagement-Prozesse (Shareholder Engagement oder Firmenkunden) mit Plastik- oder Petrochemiefirmen? Falls ja, mit wie vielen Firmen? Zu welchen Themen? Welche Forderungen stellt die Commerzbank dabei?

Antwort: Die Commerzbank ist grundsätzlich mit ihren Firmenkunden im Austausch zu Themen wie verantwortlicher Umgang mit Kunststoffen, Reduktionspotenzial, innovative Prozesse zur Materialreduktion. [Unsere Frage, mit wie vielen Plastik- und Petrochemiefirmen es laufende Engagement-Prozesse gibt, wurde ignoriert.]

Frage: Wie groß ist der aktuelle Gesamtumfang aller ausstehenden Kredite an Unternehmen aus dem Rüstungs- und Verteidigungsbereich? Wie hat sich der Umfang in den letzten Jahren entwickelt? Bitte listen Sie auf, wie hoch die Kreditsumme an Unternehmen aus dem Bereich Rüstung, Sicherheit und Verteidigung je war in den Jahren 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025.

Antwort: In den Jahren 2021 bis 2025 lag das Finanzierungsvolumen der Commerzbank im Rüstungssektor im einstelligen Milliardenbereich. Die Commerzbank verzeichnete im vergangenen Jahr ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich im Rüstungssektor und rechnet auch für die kommenden Jahre mit einem entsprechenden Zuwachs, insbesondere bei Exporten, Betriebsmittelfinanzierungen, Kapitalmarkttranskationen.

Frage: Im ESG-Rahmenwerk der Commerzbank steht: „Wir finanzieren Rüstungsunternehmen, die Waffen und Rüstungssysteme für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten wie die Europäische Union herstellen.“ Bislang finanziert die Commerzbank Rüstungsfirmen, die nicht nur für Europas Landesverteidigung produzieren, sondern auch menschenrechtsverletzende Diktaturen und völkerrechtswidrige Kriege in Sudan, Libyen, Gaza, Libanon, Myanmar und Jemen beliefern. Die allgemeinen Firmenkredite der Commerzbank können also sowohl Rüstungsgüter für europäische Armeen als auch für Angriffskriege und Kriegsverbrechen finanzieren. Wenn das Ziel die Unterstützung der europäischen Verteidigung ist, warum werden an Rüstungsfirmen dann nicht ausschließlich zweckgebundene Kredite zur Ausstattung der EU-Armeen vergeben statt allgemeine Firmenkredite? Was hält die Commerzbank von der Idee der Defense Bonds, bei denen die Use of Proceeds an die Produktion für die Ausstattung der EU-Armeen gebunden sind?

Antwort: Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie spielt eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung der nationalen Sicherheit und Förderung der politischen Stabilität. Daher finanziert die Commerzbank Firmen, die Waffen für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten produzieren. Dabei stellt die Commerzbank sicher, dass Gesetze wie Embargo- und Ausfuhrbestimmungen eingehalten werden. Eine Einschränkung der Finanzierung auf EU-Sicherheitskräfte sieht die Commerzbank vor diesem Hintergrund als nicht notwendig und zielführend.

Frage: Laut ESG-Rahmenwerk prüft die Commerzbank bei der Finanzierung einzelner Rüstungsgeschäfte Kriterien wie die Beteiligung an Kriegen oder die Menschenrechtslage. Gibt es bei allgemeinen Firmenkrediten auch eine Prüfung der Exportpraxis der Rüstungsfirma?

Antwort: Die Commerzbank erwartet von finanzierten Rüstungsfirmen die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften wie Embargobestimmungen. Darüber hinaus beachtet die Commerzbank in ihrer Einzelfallprüfung, in welche Länder Rüstungsexporte stattfinden, Konfliktregionen, die Fragilität von Staaten, die Menschenrechtslage vor Ort. [Es blieb unklar, ob diese Kriterien wirklich auch bei allgemeinen Firmenkrediten geprüft werden oder nur bei Exportfinanzierungen.]

Frage: Warum gelten strengere fossile Ausschlüsse überwiegend nur für Neukunden, nicht für Bestandskunden? Bräuchte es nicht für Bestandskunden auch ein Enddatum bis wann sie die fossilen Ausschlusskriterien erfüllen müssen? Im Bereich geächtete Waffen hat es die Commerzbank genau so gemacht. Dort wurde an Bestandskunden aus der Rüstungsindustrie die Anforderung gestellt, dass sie bis Ende 2025 die Produktion von weißem Phosphor, einer geächteten Brandwaffe, einstellen. Und genau so ist es dann gekommen. Seit 2026 finanziert die Commerzbank keine Rüstungsfirmen mehr, die weißen Phosphor herstellen. Den Bestandskunden aus der Rüstungsindustrie war mit Vorlauf bekannt, dass sie keinen weißen Phosphor mehr produzieren dürfen, wenn sie nach Ende 2025 weiterhin Kredite der Commerzbank erhalten wollen. Braucht es so ein Phase-Out-Datum nicht auch für Bestandskunden in der Öl- und Gasindustrie?

Antwort: Für Bestandskunden in der Öl- und Gasindustrie führt die Commerzbank eine jährliche Prüfung von Umwelt- und Sozialaspekten durch. Je nach Ergebnis kann dies zur Beendigung einer Geschäftsbeziehung führen. Zudem hat die Commerzbank ein CO2-Reduktionsziel für den Sektor fossile Energien. [Unsere Frage, ob es für Bestandskunden der Öl- und Gasindustrie ein Phase-Out-Datum braucht, wurde ignoriert.]

Frage: Ende 2025 hat die Commerzbank ihre Anforderungen an die Finanzierung von Gasprojekten gelockert. Wie viele Gasprojekte wurden seit diesem Aufweichen der Gasrichtlinie finanziert? Bitte listen Sie alle Projekte mit jeweiligem Projektort auf.

Antwort: Seit der Änderung der Gasrichtlinie Ende 2025 hat keine Firma die Finanzierung von Gasprojekten angefragt.

Frage: Wie viele Bestandskunden sind von der Änderung der Kohlerichtlinie Ende letzten Jahres betroffen? Also wie viele bestehende Firmenkunden hätten jetzt ausgeschlossen werden müssen wenn die Kohlerichtlinie nicht kürzlich geändert worden wäre? In welchen Ländern sitzen diese betroffenen Firmen?

Antwort: Durch die Änderung der Kohlerichtlinie kann die Commerzbank eine sehr geringe zweistellige Zahl an hauptsächlich europäischen Kohlefirmen weiter begleiten. Konkret betrifft es 12 Firmenkunden.

Frage: Die Commerzbank hat angekündigt, in diesem Jahr sektorspezifische Dekarbonisierungsziele für Kohle, Öl, Gas zu veröffentlichen. Werden diese Ziele von der SBTi validiert werden?

Antwort: Die Festlegung der Dekarbonisierungsziele soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

Frage: Die frühere Kohlerichtlinie der Commerzbank sah ein Ende der Finanzierung von Kohlefirmen für das Jahr 2030 vor. Ende 2025 wurde diese Vorgabe von 2030 auf 2038 verschoben. Die UniCredit, der größte Anteilseigner der Commerzbank, der kürzlich ein Angebot für eine Fusion vorgelegt hat, plant, die Finanzierung von Kohlefirmen bereits 2028 zu beenden, also 10 Jahre früher als die Commerzbank. Steht die Verschiebung des Kohleendes im Einklang mit dem angekündigten Dekarbonisierungsziel für den Kohlesektor?

Antwort: Die Commerzbank hat ihr Kohleenddatum in Einklang mit dem Ziel der Bundesregierung gebracht.

 

Hier findet sich unsere Pressemitteilung zur Hauptversammlung der Commerzbank.