Fair Finance Guide Erfolg: Commerzbank erteilt Absage an Tiefseebergbau
Am 29.01.2026 hat die Commerzbank, die nach Bilanzsumme drittgrößte Bank Deutschlands, erstmals eine Richtlinie zum Thema Tiefseebergbau veröffentlicht.
Die Tiefsee ist eines der letzten weitgehend unerforschten Ökosysteme der Erde. Sie beherbergt einzigartige Arten, von denen wir viele kaum verstehen. Derzeit bereiten sich allerdings einige Unternehmen darauf vor, den Tiefseegrund nach Rohstoffen zu durchsuchen, trotz enormer wissenschaftlicher Unsicherheit über die Umweltauswirkungen. Studien zeigen, dass Abbauaktivitäten in der Tiefsee irreversible Schäden an Ökosystemen verursachen können, die wichtig sind für das Klima und die Biodiversität. Einmal zerstört, könnte sich die Tiefsee nicht mehr innerhalb menschlicher Zeiträume erholen.
Tiefseebergbau könnte irreversible Schäden verursachen:
🌊 Zerstörung fragiler Ökosysteme und Biodiversität
☠️ Freisetzung giftiger Stoffe in die marinen Lebensräume
🌫️ Sedimente, die Meeresleben ersticken
🌍 Störung globaler Prozesse zur CO2-Speicherung
Banken spielen eine entscheidende Rolle dabei, welche Aktivitäten finanziert werden und welche nicht. Doch die meisten Banken haben bisher keine Richtlinien gegen Tiefseebergbau. Daher können sie Unternehmen finanzieren, die daran beteiligt sind, ohne jegliche Auflagen.
Seit dem 29.01.2026 stellt die Commerzbank öffentlich klar, dass sie keine Tiefseebergbau-Projekte finanziert. Auch allgemeine Unternehmenskredite an Firmen, die ausschließlich im Tiefseebergbau aktiv sind, schließt sie aus. Wir begrüßen diese öffentliche Positionierung der Commerzbank. Trotzdem gibt es aus unserer Sicht noch Verbesserungspotenzial: Denn allgemeine Unternehmenskredite an Firmen, die unter anderem im Tiefseebergbau aktiv sind, bleiben weiterhin möglich. Daher fordern wir von Banken, allgemeine Unternehmenskredite für Firmen mit Tiefseebergbau-Bezug auszuschließen. Stattdessen sollten diese Firmen höchstens zweckgebundene Finanzierungen erhalten, die nicht für Tiefseebergbau-Aktivitäten verwendet werden dürfen.
Konkret heißt es im neuen ESG-Rahmenwerk der Commerzbank auf Seite 18: "Bis auf Weiteres beteiligt sich die Commerzbank nicht an der Finanzierung von Projekten im Bereich Tiefseebergbau und geht keine Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen ein, die ausschließlich im Bereich Tiefseebergbau tätig sind (sogenannte Pure-Play-Unternehmen)."
Dass die Commerzbank sich jetzt erstmals öffentlich positioniert gegen Tiefseebergbau, ist ein Erfolg zivilgesellschaftlichen Engagements. Im Jahr 2025 haben wir gemeinsam mit Deep Sea Mining Campaign und Ozeanien-Dialog die Commerzbank auf die sozialen, ökologischen und finanziellen Risiken von Tiefseebergbau hingewiesen. Zudem haben wir einen "Schreib deiner Bank!" Aufruf gestartet, bei dem Nutzer des Fair Finance Guides ihre Banken aufgefordert haben, Tiefseebergbau nicht zu finanzieren. Hier kannst du weiterhin deine Bank auswählen und ihr eine vorgefertigte Mail schicken gegen Tiefseebergbau.
Langsam scheinen deutsche Banken aufzuwachen und die Risiken von Tiefseebergbau zu adressieren. Im September 2024 hat bereits die Deutsche Bank eine Richtlinie veröffentlicht, in der sie die direkte Finanzierung von Tiefseebergbau-Projekten ausschließt. Allgemeine Firmenkredite an Unternehmen, die im Tiefseebergbau aktiv sind, bleiben hingegen möglich. So kann z.B. eine Firma wie die Deme Group mit ihrer Tiefsee-Explorations-Tochter Global Sea Mineral Resources (GSR) weiterhin allgemeine Firmenkredite erhalten. Zu den Investoren der Deme Group gehören die Deutsche Bank und die DZ Bank, während Deutsche Bank, DekaBank und ING in Deme’s Mehrheitseigentümer Ackermans & Van Haaren NV investieren.
Insgesamt haben wir für 8 Banken, die im Fair Finance Guide analysiert werden, finanzielle Beziehungen (Kredite oder Investitionen in Aktien/Anleihen) zu 7 Firmen festgestellt, die unter anderem im Tiefseebergbau tätig sind. Diese 8 Banken sind Deutsche Bank, DZ Bank, DekaBank, ING, UniCredit, Commerzbank, BayernLB, LBBW. Die 7 Firmen sind die Deme Group, Ackermans & Van Haaren, CMRELTD, Bosch Ltd, Bauer, Continental, Noble Corporation.
Auch wenn sich mittlerweile einige Banken, so wie seit Neuestem die Commerzbank, gegen Tiefseebergbau stellen, bleibt noch viel Luft nach oben. Zu viele Banken haben Tiefseebergbau noch nicht auf dem Schirm. Wir hoffen, dass weitere Banken dem Beispiel der Commerzbank folgen und sich öffentlich gegen Tiefseebergbau positionieren.
Wir fordern: Banken müssen Verantwortung übernehmen!
❌ Keine direkte Finanzierung von Tiefseebergbau-Projekten
❌ Keine allgemeinen Unternehmenskredite für Firmen mit Tiefseebergbau-Bezug
✅ Klare und transparente Kriterien für Investitionen und Finanzierungen
✅ Nur zweckgebundene Finanzierungen, die nicht für Tiefseebergbau-Aktivitäten verwendet werden dürfen
✅ Shareholder Engagement (aktiver Aktionärsdialog mit Firmen) zur Vermeidung von Tiefseebergbau-Expansion
📣 Sag deiner Bank: Unsere Ozeane sind zu wertvoll, um mit ihnen zu zocken!
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