Welche Konsequenzen zieht die Deutsche Bank aus dem Epstein-Skandal? Unsere Fragen auf der Hauptversammlung
Am 28. Mai 2026 trafen sich die Aktionäre der Deutschen Bank in Frankfurt zur Jahreshauptversammlung, um über das Geschäftsjahr 2025 zu diskutieren. Zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre konnte Facing Finance der Deutschen Bank vorab Fragen schicken, die die Bank auf der Hauptversammlung beantwortete.
Q: Die Deutsche Bank hat eine neue Arbeitsgruppe gegründet, die sich auf die Finanzierung der Rüstungsindustrie fokussiert. Und die Deutsche Bank unterstützt die Gründung der DSRB (Defence, Security, Resilience Bank). Wie wirkt sich dieser Fokus auf die Rüstungsindustrie auf das Kreditportfolio der Deutsche Bank aus? Wie groß ist der aktuelle Gesamtumfang aller ausstehenden Kredite an Unternehmen aus dem Rüstungs- und Verteidigungsbereich? Wie hat sich der Umfang in den letzten Jahren entwickelt? Bitte listen Sie auf, wie hoch die Kreditsumme an Unternehmen aus dem Bereich Rüstung, Sicherheit und Verteidigung je war in den Jahren 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025.
A: Wir stehen der Verteidigungsindustrie mit Beratungs- und Finanzierungslösungen zur Seite und sehen uns hier in einer besonderen Verantwortung. Alle Transaktionen im Verteidigungssektor werden auf Einzelfallbasis geprüft. Nähere Angaben zum Kreditportfolio veröffentlichen wir in diesem Zusammenhang nicht. [Unsere Anmerkung: Dass die Deutsche Bank sich weigert, die Frage nach der Kreditsumme im Rüstungsbereich zu beantworten, halten wir für eine grobe Missachtung der Aktionärsrechte. Verständlich wäre, dass die Deutsche Bank keine Angaben zu einzelnen finanzierten Firmen machen möchte. Aber für die Weigerung, die Gesamtkreditsumme zu nennen, gibt es keinen guten Grund. Die gleiche Frage haben wir der Commerzbank auf ihrer Hauptversammlung gestellt und diese hat die Frage beantwortet.]
Q: Die Deutsche Bank sagt, dass sie die europäische Rüstungsindustrie finanziert, um die Verteidigung Europas zu unterstützen. Allerdings vergibt die Deutsche Bank allgemeine Firmenkredite an Rüstungsfirmen, die sowohl die europäischen Sicherheitskräfte ausrüsten, als auch Waffen in völkerrechtswidrige Kriege in Sudan, Gaza, Libyen, Myanmar und Jemen liefern. Die allgemeinen Firmenkredite der Deutsche Bank können also sowohl Rüstungsgüter für europäische Armeen als auch für Angriffskriege und Kriegsverbrechen finanzieren. Bei allgemeinen Firmenkrediten hat die Deutsche Bank darauf keinen Einfluss. Wenn das Ziel die Unterstützung der europäischen Verteidigung ist, warum werden an Rüstungsfirmen dann nicht ausschließlich zweckgebundene Kredite zur Ausstattung der EU-Armeen vergeben statt allgemeine Firmenkredite? Was hält die Deutsche Bank von der Idee der Defense Bonds, bei denen die Use of Proceeds an die Produktion für die Ausstattung der EU-Armeen gebunden sind?
A: Im Rahmen unserer Sorgfaltspflichten prüfen wir im Einzelfall die geopolitische Lage des Empfängerlandes, wobei Länder, die in Konflikte involviert sind, besondere Aufmerksamkeit erhalten. Falls wir Bedenken haben, führen wir eine erweiterte Sorgfaltsprüfung durch und lehnen eine Transaktion im Einzelfall ab. Hinsichtlich der Finanzierungsform geht die Deutsche Bank auf die spezifischen Bedürfnisse der Firmenkunden ein und bietet zielgerichtete Lösungen an, darunter können auch Defense Bonds zählen.
Q: Gibt es aktuelle Engagement-Prozesse (Shareholder Engagement oder Firmenkunden) mit Plastik- oder Petrochemiefirmen? Falls ja, mit wie vielen Firmen? Zu welchen Themen? Welche Forderungen stellt die Deutsche Bank dabei?
A: Die deutsche Bank steht im regelmäßigen Austausch mit ihren Unternehmenskunden zu Nachhaltigkeitsthemen in emissions- und ressourcenintensiven Industrien. Die besprochenen Themen orientieren sich an der Relevanz für das Geschäftsmodell des jeweiligen Kunden, dazu zählen Ansätze zur Reduzierung von Primärgrundstoffen, der Einsatz von recycelten Materialien sowie Fragen des Produkt- und Verpackungsdesigns im Hinblick auf Recyclingfähigkeit. Potenzielle Anforderungen an Kunden können sich aus unseren Sorgfaltsprüfungen ergeben, die – sofern relevant – die Themen Kreislaufwirtschaft und den Umgang mit Plastik einbeziehen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine Angaben zu Kunden, konkreten Engagement-Prozessen und deren Anzahl machen können. [Unsere Anmerkung: Die Deutsche Bank könnte natürlich die Anzahl ihrer laufenden Engagement-Prozesse nennen, ohne die Namen der Firmen zu nennen. Das wäre problemlos möglich.]
Q: Die Deutsche Bank hat kürzlich ihre Kohlerichtlinie geändert und die Deadline, ab der bestehende Firmenkunden nicht mehr als 50% Umsatz aus Kraftwerkskohle machen dürfen, um zwei Jahre nach hinten verschoben. Auf wie viele bestehende Firmenkunden hat diese Änderung Einfluss? Also wie viele bestehende Firmenkunden hätten jetzt ausgeschlossen werden müssen wenn die Kohlerichtlinie nicht kürzlich geändert worden wäre? In welchen Ländern sitzen diese betroffenen Firmen?
A: Aus unserer Sicht ist die neue Frist nur für eine sehr geringe Anzahl an Firmenkunden relevant, insbesondere in Regionen mit komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine weiteren Details zu Kundenbeziehungen und Geschäften nennen. [Unsere Anmerkung: Die Deutsche Bank könnte natürlich die Anzahl der von der geänderten Kohlerichtlinie betroffenen Firmen nennen, ohne die Namen der Firmen zu nennen. Das wäre problemlos möglich. Auch hier der Querverweis zur Commerzbank, die ebenfalls kürzlich ihre Kohlerichtlinie abgeschwächt hat und die wir auf ihrer Hauptversammlung nach der Anzahl der betroffenen Firmen gefragt haben und die diese Frage beantwortet hat.]
Q: Jeffrey Epstein hatte eine ganze Reihe an Bankkonten bei der Deutschen Bank und hat über diese wohl auch Zahlungen abgewickelt, die im Zusammenhang mit seinem Menschenhandel standen, z.B. Zahlungen an „Models“. Plant die Deutsche Bank, vollkommene Transparenz zu zeigen und alle Finanztransaktionen, die über Bankkonten von Epstein liefen, offenzulegen?
A: Wie öffentlich bekannt, unterhielt die Deutsche Bank zwischen 2013 und 2019 eine Kundenbeziehung zu Herrn Epstein. Im Juli 2019 hat die Deutsche Bank relevante Informationen zu dieser Kundenbeziehung mit US-Strafverfolgungsbehörden geteilt. Kürzlich hat das US-Justizministerium Teile dieser Informationen, die die Deutsche Bank den Behörden als Antwort auf vertrauliche Auskunftsersuchen zur Verfügung gestellt hat, veröffentlicht. Die Deutsche Bank war nicht an der Entscheidung des US-Justizministeriums beteiligt, welche Dokumente veröffentlicht werden, noch an etwaigen Schwärzungen.
Q: Welche personellen Konsequenzen hat die Deutsche Bank aus dem Epstein-Skandal gezogen? Also welche Mitarbeiter und Manager der Deutsche Bank wurden wegen ihrer Rolle im Epstein-Skandal entlassen? Bitte listen sie alle Namen auf mit der jeweiligen Position innerhalb der Deutschen Bank im Moment der Entlassung.
A: Wo es angebracht war haben wir auch personelle Maßnahmen ergriffen und in diesem Zuge auch Arbeitsbeziehungen mit bestimmten Personen beendet. Wir bitten um Verständnis, dass wir zu einzelnen Fällen keine Stellung nehmen können.
Q: Welche internen Compliance Konsequenzen hat die Deutsche Bank aus dem Epstein-Skandal gezogen? Wurde die Due Diligence von Hochrisikopersonen wie ultra high net worth individuals und politically exposed persons geändert? Wenn ja, wie genau?
A: Wir erkennen unseren Fehler an, Herrn Epstein 2013 als Kunden aufgenommen zu haben, ebenso wie die Schwäche in unseren damaligen Prozessen. Wir waren in dieser Angelegenheit transparent, haben sie mit unseren Aufsichtsbehörden angesprochen, unsere Risikotoleranz angepasst und sind die Themen systematisch angegangen. Wir haben erheblich in Schulungen, Kontrollen und operative Abläufe investiert und unser Team zur Bekämpfung von Finanzkriminalität erweitert.
Q: War der Deutschen Bank bereits vor der öffentlichen Berichterstattung dazu bekannt, dass der Epstein-Geschäftspartner David Stern vor einigen Jahren plante, die Deutsche Bank zu kaufen? War der Deutsche Bank bekannt, dass der ehemalige Deutsche Bank-Finanzvorstand Stefan Krause beteiligt war an den Überlegungen von David Stern bezüglich eines Kaufes der Deutsche Bank? Ist die Deutsche Bank in Kontakt getreten mit ihrem ehemaligen Finanzvorstand Stefan Krause zu diesem Vorfall?
A: Diese Medienberichte beruhen nach unserer Erkenntnis auf Informationen, die nicht von der Deutschen Bank stammen. Zu solchen Berichten und Spekulationen sowie deren Richtigkeit können wir keine Stellung nehmen.
Hier finden sich weitere Fragen des Dachverbands der Kritischen Aktionäre auf der Hauptversammlung.
Unser Gegenantrag, der gegen die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats argumentiert, findet sich hier.